Ortsumfahrung Theißen: Merowingerzeitliche Gräber entdeckt

Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt haben bei Ausgrabungen im Zuge des Neubaus der Ortsumfahrung der B 91 östlich von Theißen einen Friedhof aus der Merowingerzeit (6. Jahrhundert) entdeckt. Er umfasst etwa 15 Gräber, darunter mindestens drei Niederlegungen von Pferden. Wie zu dieser Zeit üblich, wurden die Verstorbenen in gestreckter Lage, auf dem Rücken und mit dem Kopf nach Westen liegend, bestattet. Gewandnadeln, Anhänger oder Perlen aus Bronze und Glas liefern Informationen zu Tracht und Bräuchen der Zeit. Den Männerbestattungen wurden häufig Waffen beigelegt.

Besonders ragt die Bestattung eines „Kriegers“ hervor. Allein seine Größe von fast zwei Metern unterscheidet ihn von den anderen Verstorbenen. In seinem linken Arm hält er ein eisernes Schwert. An seiner rechten Seite befinden sich die Überreste einer Lanze.

Die Untersuchungsergebnisse weisen auf eine vielfältige und kontinuierliche Besiedlungsgeschichte der Region hin. Bereits vor einigen Wochen hatten die Archäologen einen slawischen und bronzezeitlichen Siedlungs- sowie Bestattungsplatz bei Theißen entdeckt.

Seit Mitte April 2017 führt das Landesamt archäologische Ausgrabungen im Zuge des von der DEGES koordinierten Bauprojekts durch. Auf einer Gesamtfläche von 29.000 Quadratmetern finden Grabungen zwischen den Ortschaften Theißen und Nonnewitz statt. Das 13-köpfige Ausgrabungsteam konnte bisher knapp 800 Befunde dokumentieren und etwa 10.000 Funde bergen.